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 Rhampsenit 26.07.2006 (16:10) Gunnar
Hallo!
Ich beschäftige mich gerade aus ägyptologischer Perspektive mit dem Rhampsenit. Leider habe ich bisher keine Sekundärliteratur zum Gedicht selbst oder zum Romanzero allgemein finden können.
Kann mir vielleicht jemand weiterhelfen?
Gunnar
 Re: Rhampsenit 31.07.2006 (15:26) Robert
Hallo Gunnar,
als Ägyptologe hast Du doch bestimmt eine Universitätsbibliothek oder an Deiner Uni ein Germanistisches Seminar in Reichweite. Suche dort einmal nach der "Düsseldorfer Heine-Ausgabe" (DHA), hrsg. von Manfred Windfuhr. Dort findest Du im Band 3/II (Apparat zu "Romanzero" und den späten Gedichten) vieles von dem, was man über den "Romanzero" im allgemeinen und "Rhampsenit" im besonderen wissen können will.
Und wenn Du schon mal dort bist, schau doch mal in die Bände 42 (2003) und 43 (2004) des Heine-Jahrbuchs, da sind die Beiträge eines Symposions zu Heines "Romanzero" dokumentiert - vermutlich ein ganz guter Einstieg in den Band, zumal in meinem eigenen Beitrag (Band 42, S. 59-72) intensiv von "Rhampsenit" die Rede ist (da ich dort vermute und begründe, dass Heine nicht einfach nur Spaß an der Herodot-Geschichte hatte, sondern auch zeigen wollte, daß er mit dem Stoff mehr anzufangen weiß als August von Platen mit seiner Komödie "Der Schatz des Rhampsinit"). Die Beiträge zum "Romanzero" dürften Dir genug weitere Literaturhinweise verschaffen (da sich seit einigen Jahren die Heine-Forschung intensiv mit dem "Romanzero" befaßt), ansonsten enthält jeder Band des Heine-Jahrbuchs eine Bibliographie mit allen neu erschienenen Heine-Titeln, so daß Du auch dort fündig werden wirst.

Noch ein Tipp: Es gibt online eine (wenn auch nicht sehr gute) Dissertation zum "Romanzero". Wenn Du dort ins Kapitel "Übersicht zur Interpretation der Romanzero-Texte" klickst, findest Du alle Stellen, an denen "Rhampsenit" erwähnt wird. Wie gesagt, kein Meisterwerk, aber vielleicht ein guter Ausgangspunkt für Deine Recherchen (vgl. auch den Forschungsbericht und das Literaturverzeichnis!). Die Arbeit findest Du hier:

http://www.verlagdrkovac.de/0316_volltext.htm

Viel Erfolg und frohes Schaffen!
Robert
PS: Was hast Du denn als Ägyptologe mit dem Gedicht vor? Würde mich sehr interessieren!
 Re: Rhampsenit 31.07.2006 (16:47) Gunnar
Hallo Robert,

vielen Dank für die Literaturhinweise. Das hilft mir sehr viel weiter!
Was ich mit dem Gedicht vorhabe, weiß ich selbst noch nicht so genau. Ich fand es erst einmal spannend, dass Heine eine ägyptische Erzählung für ein Gedicht verwendet und wollte mehr darüber wissen. Er hat immerhin in einer Zeit geschrieben, als  man Ägypten eigentlich nur über die griechische Überlieferung kannte. Deshalb darf man die "historischen Ungereimtheiten" auch nicht so genau nehmen. Landwehr erklärt in der Dissertation auf Seite 25, mit Verweis auf die DHA, dass Memphis im Neuen Reich nicht Hauptsstadt war. Das ist zwar richtig, doch schreibt Herodot in II,121 der Erzählung unmittelbar vorausgehend: "Das Denkmal, das dieser König hinterlassen hat, ist die Vorhalle die westlich von dem Hephaistostempel steht." Mit Hephaistos bezeichnete Herodot den ägyptischen Gott Ptah, dessen Tempel sich in Memphis befindet. ("Tempel des Ptah" (hw.t-k3-Pth) wurde übrigens seit dem Neuen Reich als Synomym für den Stadtnamen von Memphis verwendet.) Damit ist die Erzählung bereits von Herodot in Memphis angesetzt und es ist keine "historische Ungereimtheit", wenn Heine dem folgt.
Nun, vielleicht kann dadurch von ägyptologischer Seite zur Diskussion beigetragen werden.

Gruß
Gunnar
 Ägypten-Rezeption 01.08.2006 (13:19) Robert
Hallo Gunnar,
ich kenne keine Anzeichen dafür, daß sich Heine über Herodot hinaus explizit mit ägyptischer Geschichte befaßt hätte, und ums historisch Korrekte ging es ihm ja im "Rhampsenit" auch gar nicht.

Allerdings muß man bedenken, daß er seit 1831 in Paris lebte - und dort gab es ja seit Napoleons Ägypten-Expedition und ihrer wissenschaftlichen Aufarbeitung (Vivant Denon!) ja Unmengen ägyptischer Artefakte, im Louvre, aber z.B. auch den Obelisken auf der Place de la Concorde, der 1836 aufgerichtet wurde. Heine wird also in seinem Umfeld mit allerlei "Ägyptischen" in Berührung gekommen sein. Auf Vivant Denons Werke z.B. spielt er im Reisebild "Die Stadt Lukka" einmal an. Außerdem kannte er (aus seiner Berliner Zeit, und einige wie Ludwig Marcus traf er dann in Paris wieder) sozusagen die erste Generation von Wissenschaftlern, die sich mit den alten orientalischen Kulturen beschäftigten. Wäre mal ganz spannend, genauer zu untersuchen, was er gekannt/gewußt haben könnte - und ob sich das irgendwie niederschlägt.

Viele Grüße
Robert
 Re: Ägypten-Rezeption 05.08.2006 (11:04) Gunnar
Hallo Robert,

meine Fragestellung ging bisher eher in die Richtung, was rezeptionsgeschichtlich mit der Herodot-Geschichte geschehen ist. Die Umsetzungen bei Platen und Heine, die Anspielung bei Shakespeare, das Märchen bei den Brüdern Grimm, ein modernes arabisches Märchen usw. Ich denke sogar, dass die Erzählung bei Herodot auf einer ägyptischen Überlieferung beruhen könnte, da es Parallelen zu anderen ägyptischen Erzählungen und Märchen gibt.

Die Frage nach der Ägypten-Rezeption speziell bei Heine, mit wem er in Kontakt war, was er gelesen haben könnte etc. ist aber ebenfalls sehr spannend. Bei Thomas Mann weiß man ja z.B. sehr genau, welche ägyptologische Literatur er für den Joseph verwendet hat und dass er v.a. mit W. Spiegelberg in Kontakt war, inklusive einer gemeinsamen Ägyptenreise. Aber Th. Mann hat sich ja im Gegensatz zu Heine explizit mit Ägypten beschäftigt. Interessant könnte aber in der Tat sein, inwieweit sich die Ägyptomanie nach der Expedition Napoleons und die Geburt der Ägyptologie mit der Einrichtung der ersten beiden Lehrstühle in Paris (1831) und Berlin (1846)niedergeschlagen hat. Die Wahrnehmung war geschärft und für das Ägyptische sensibilisiert. Insofern ist sicher auch der Vergleich des Tempels des Vitzliputzli mit "egyptisch[en]" und vorderasiatischen "Bauwerk-Monstren" sicher kein Zufall (auch wenn er sich hier explizit auf Gemälde von Henri Martin bezieht).

Viele Grüße
Gunnar

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