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 Die Wallfahrt nach Kevelaer 14.12.2006 (08:22) Sarah
Hallo,

ich habe mich jetzt einige Tage durchs Internet geklickt und Biobliotheken besucht.
Leider finde ich zur oben genannten Ballade von Heine nicht die nötige Literatur.
Ich darf eine Hausarbeit zum Thema
"Überlegungen zur Rolle von Religion und Kirche in Heinrich Heines Ballade "Die Wallfahrt nach Kevelaer" "
schreiben.
Wie ich finde kam ich bis dato recht gut voran, jedoch fällt es mir schwer folgende Punkte zu bearbeiten:
- Figurenanalyse
- Verhältnis der Figuren zur Kirche
- Verhältnis des Erzählers zur Kirche

Besonders der Punkte "Verhältnis der Figuren zu Kirche" macht mir zu schaffen.
Ich hoffe mir kann geholfen werden.

Vielen Dank im voraus!
Sarah


Sehe ich es zumindest richtig, dass die Mutter sehr religiös ist, der Sohn Wilhelm jedoch nicht?!
Kann es sein, dass der Sohn ironisch zur Marie spricht? Das mache ich fest an "hochgebenedeite".
Welche Bedeutung hat es, dass die Mutter vom Tod ihres Sohnes eine Nacht vor seinem Tod träumt?
Ist es eine Form von Ironie, dass Heine die heilige Maria in "Marie" umtauft, da dieser ein typischer rheinischer Name ist? Ich finde noch viele weitere Stellen sind voller Ironie. Zum Teil beschreibt er die heilige Marie, wie eine Jahrmarktswahrsagerin oder dergleichen.
Ich bitte um Meinungen! Das Gedicht interessiert mich immer mehr!

Gruß,
Sarah
 Re: Die Wallfahrt nach Kevelaer 18.12.2006 (11:18) Robert
Hallo Sarah,
hmm, ich bin ja immer bereit, Heines Texte als ironische zu lesen, aber bei der "Wallfahrt" bin ich mir da nicht so sicher, ob das die Hauptsache ist. "Hochgebenedeite" ist jedenfalls sicher kein Ironiesignal, sondern fromme Anrede.
Recht hast du bestimmt mit der Beschreibung der Maria im zweiten Teil, die durchaus eine ironische Ebene hat - wobei ich aber auch die Ebene stark machen würde, die so etwas wie naive Volksfrömmigkeit spiegelt: Da ist Maria dann eben die fleißige Heilerin, die sehr belebt und menschlich gedacht wird. Sowas kann man allerdings nicht schreiben, ohne zugleich in ironische Distanz zu geraten.
Und aus Maria "Marie" zu machen, ist, denke ich, auch eher der Versuch, das Ganze volkstümlich-rheinisch klingen zu lassen.
Wie gesagt, ein ironischer Unterton ist nicht abzustreiten, aber ich würde eher eine Lektüre starkmachen, die auf der Ebene funktioniert: Liebe ist eine schreckliche Krankheit, die nur der Tod heilt (ein großes Thema im ganzen "Buch der Lieder"!), und die Muttergottes bewirkt tatsächlich diese Heilung beim kranken Wilhelm. Anders war ihm offenbar nicht zu helfen, deshalb ist auch die Mutter mit dem Ratschluß Mariens am Ende offenbar irgendwie zufrieden.
Also doch so etwas wie eine Heiligenlegende - aber eben eine gebrochene. Was im 19. Jahrhundert auch gar nicht mehr anders geht und zeigt, wie sehr der frühe Heine Romantiker (und damit Ironiker!) ist.
Viele Grüße
Robert
 Re: Die Wallfahrt nach Kevelaer 28.03.2007 (20:50) feijoo
Bei der ersten Begegnung mit diesem Text hatte ich den Eindruck, dass das Ende nur ironisch gemeint sein kann. Aber später habe ich ihn dann doch als vielschichtiger empfunden, oder gebrochen, wie Robert ganz treffend geschrieben hat. Einen kleinen Hinweis auf Ironie möchte ich dennoch hinzufügen: Es heißt an einer Stelle "gar mancher spielt jetzt die Bratsche, dem sonst kein Finger war heil" - die Bratsche hatte aber vermutlich schon zu Heines Zeiten den Ruf als Instrument für unbegabte Violinisten weg, das nie viel zu spielen hat. Also ist es - ironisch gedacht - kein ganz so tolles Wunder, jemandes Finger so zu heilen, dass er damit Bratsche spielen kann. Heine hätte ja auch irgend ein anderes Instrument als Beispiel wählen können (z.B. Flöte hätte gut gepasst). Ich würde daraus schließen, dass er dem Wunderglauben wohl eher skeptisch gegenüberstand.

feijoo
 Re: Die Wallfahrt nach Kevelaer 02.04.2007 (10:41) Robert
Hallo feijoo,

das ist ein spannender Hinweis und, soweit ich das überblicken kann, auch noch nie irgendwo bemerkt. Jetzt müsste man nur noch einen zeitgenössischen Beleg für die Bratsche als Instrument für unbegabte Violinisten finden ...

Viele Grüße!
Robert

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