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Ich bin überrascht zu hören, dass das Gedicht "Zerschlagen ist die alte Leier" nicht von H. Heine sein soll. Es wird unter seinem Namen auch von renomierten Verlagen veröffentlicht. Wenn nicht von Heine, wer hat es dann geschrieben? Das müsste man dann schon nachweisen. Interessant wäre das schon.
Aber so wie es bestimmte Kreise geben mag die das Gedicht unbedingt Heine "zuschreiben" wollen, so gibt es mit Sicherheit auch andere Leute, die um keinen Preis eingestehen wollen, dass das Gedicht tatsächlich von Heine sein könnte ...
 Re: Zerschlagen ist die alte Leier 17.10.2002 (00:14) Wolfgang Fricke
Hallo C. Seher
> Ich bin überrascht zu hören, dass das Gedicht
> "Zerschlagen ist die alte Leier" nicht von H. Heine sein
> soll. Es wird unter seinem Namen auch von renomierten
> Verlagen veröffentlicht. Wenn nicht von Heine, wer hat es
> dann geschrieben? Das müsste man dann schon nachweisen.
> Interessant wäre das schon.
Nun ja, von Heine-Forschern wird eindeutig gesagt, dass heine nichts mit diesen Versen zu tun hat. Wer es geschrieben hat bleibt aber unklar - das ist richtig. Aber so ist das mit Nachdichtungen, die man jemand anderem zuschreiben will ...
In der Heine-Biographie von Hauschild und Werner, die in diesem Jahr bei dtv erschienen ist, steht lediglich: »Das "in einem baltischen Pfarrhause" aufgefundene Gedicht wurde 1907 in der 'Reformierten Kirchenzeitung' veröffentlicht. Es handelt sich um eine Fälschung.«

> Aber so wie es bestimmte Kreise geben mag die das Gedicht
> unbedingt Heine "zuschreiben" wollen, so gibt es mit
> Sicherheit auch andere Leute, die um keinen Preis
> eingestehen wollen, dass das Gedicht tatsächlich von
> Heine sein könnte ...
Ich bin ja schon ausführlicher auf Heines »Gesinnungswandel« eingegangen: Beitrag 152.
Wie ich da schon schrieb, gab es in Heines Leben keine Phase, in der er derartiges hätte schreiben können - es passt zu keinem Lebensabschnitt zu den übrigen Äusserungen Heines. Er hat Jesus sicher anerkannt, aber wenn er einen Glauben wiedergefunden hat, der sich an eine Glaubensgemeinschaft anlehnt, so war es eine Rückkehr zum Judentum.

Gruß
Wolfgang Fricke

Heinrich Heine - Leben, Leiden, Werk und Hintergrund

 Re: Zerschlagen ist die alte Leier 18.02.2006 (12:09) S. Friesen
> Hallo C. Seher
> > Ich bin überrascht zu hören, dass das Gedicht
> > "Zerschlagen ist die alte Leier" nicht von H. Heine sein
> > soll. Es wird unter seinem Namen auch von renomierten
> > Verlagen veröffentlicht. Wenn nicht von Heine, wer hat es
> > dann geschrieben? Das müsste man dann schon nachweisen.
> > Interessant wäre das schon.
> Nun ja, von Heine-Forschern wird eindeutig gesagt, dass
> heine nichts mit diesen Versen zu tun hat. Wer es
> geschrieben hat bleibt aber unklar - das ist richtig.
> Aber so ist das mit Nachdichtungen, die man jemand
> anderem zuschreiben will ...
> In der Heine-Biographie von Hauschild und Werner, die in
> diesem Jahr bei dtv erschienen ist, steht lediglich:
> »Das "in einem baltischen Pfarrhause" aufgefundene
> Gedicht wurde 1907 in der 'Reformierten Kirchenzeitung'
> veröffentlicht. Es handelt sich um eine Fälschung.«
>
Gibt es weitere Quellenangabe, wo dieses Gedicht nicht Heine zugeschrieben wird?
> > Aber so wie es bestimmte Kreise geben mag die das Gedicht
> > unbedingt Heine "zuschreiben" wollen, so gibt es mit
> > Sicherheit auch andere Leute, die um keinen Preis
> > eingestehen wollen, dass das Gedicht tatsächlich von
> > Heine sein könnte ...
> Ich bin ja schon ausführlicher auf Heines
> »Gesinnungswandel« eingegangen: Beitrag 152.
> Wie ich da schon schrieb, gab es in Heines Leben keine
> Phase, in der er derartiges hätte schreiben können - es
> passt zu keinem Lebensabschnitt zu den übrigen
> Äusserungen Heines. Er hat Jesus sicher anerkannt, aber
> wenn er einen Glauben wiedergefunden hat, der sich an
> eine Glaubensgemeinschaft anlehnt, so war es eine
> Rückkehr zum Judentum.
>
> Gruß
> Wolfgang Fricke
>
> Heinrich Heine - Leben, Leiden, Werk und Hintergrund
>
 Re: Zerschlagen ist die alte Leier 18.02.2006 (13:13) Wolfgang Fricke

> Gibt es weitere Quellenangabe, wo dieses Gedicht nicht
> Heine zugeschrieben wird?

Mal zurückgefragt: Gibt es eine ernstzunehmende Quelle, die das Gedicht Heine zuschreibt? Warum kommt das Gedicht wohl in den beiden großen Heine-Ausgaben (DHA und HSA) nicht vor?

Gruß
Wolfgang

Heinrich Heine - Leben, Leiden, Werk und Hintergrund

Hallo!
Ich muß Wolfgang unterstützen: Keine zitierfähige Heine-Ausgabe (Walzel, Kaufmann, Briegleb, HSA, DHA) akzeptiert das Gedicht als echt.
Kann es auch nicht sein, dafür ist es erstens zu schlecht und zweitens formal auch gar nicht zu Heine und schon gar nicht zur späten Lyrik passend. Könnte man in Ruhe darlegen, ist mir aber im Moment zu mühsam.
Dann gibt es auch keine sinnvolle Erklärung, wie der Text zu seinem Fundort gekommen ist und warum er erst 1907 auftaucht.
Und dann hat sich Heine - egal, wie man seine Wiederbeschäftigung mit Religion und Gott in den letzten Lebensjahren bewertet - definitiv immer sowohl von der christlichen Religion als auch von jeder Form von Kirchlichkeit distanziert (Brief an seinen Verleger Campe z.B.: "[.] denn wie nahe ich auch der Gottheit gekommen, so steht mir doch der Himmel noch ziemlich fern; glauben Sie nicht den umlaufenden Gerüchten, als sey ich ein frommes Lämmlein geworden. Die religiöse Umwälzung, die in mir sich ereignete, ist eine bloß geistige, mehr ein Akt meines Denkens als des seligen Empfindelns, und das Krankenbett hat durchaus wenig Antheil daran, wie ich mir fest bewußt bin. Es sind große, erhabne, schauerliche Gedanken über mich gekommen, aber es waren Gedanken, Blitze des Lichtes und nicht die Phosphordünste der Glaubenspisse."(HSA XXIII, 43)).

Wie man's dreht und wendet: Ein Heine-Gedicht wird nicht draus.
Gruß
Robert
 Re: Natürlich nicht von Heine ... 15.10.2006 (16:38) Ed
Jedenfalls soll Heine kurz vor seinem Tode gesagt haben: "Ich bin froh, meiner angemaßten Herrlichkeit entledigt zu sein .. Ich bin nur ein armer Mensch, der obendrein nicht gesund, sondern krank ist."

Es scheint durchaus eine gewissen Sinnesänderung bei Heine gegeben zu haben. Wie weit diese geht ist umstritten.
Bei Wikipedia heisst es:

"In den Jahren vor seinem Tod gelangte Heine zu einer milderen Beurteilung der Religion. In seinem Testament von 1851 bekannte er sich zum Glauben an einen persönlichen Gott, ohne sich aber einer Kirche oder dem Judentum wieder anzunähern. In seinem Testament heißt es:

    Obschon ich durch den Taufakt der lutherischen Konfession angehöre, wünsche ich nicht, daß die Geistlichkeit dieser Kirche zu meinem Begräbnisse eingeladen werde; ebenso verzichte ich auf die Amtshandlung jeder andern Priesterschaft, um mein Leichenbegängnis zu feiern. Dieser Wunsch entspringt aus keiner freigeistigen Anwandlung. Seit vier Jahren habe ich allem philosophischen Stolze entsagt und bin zu religiösen Ideen und Gefühlen zurückgekehrt; ich sterbe im Glauben an einen einzigen Gott, den ewigen Schöpfer der Welt . "


Ich habe nach diesem Gedicht im Internet gesucht und bin auf ihre Beiträge gestosen.
Ich habe das Gedicht schon mermals in der Kirche gehört, als von Schiller.  

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