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 Suche Gedicht 07.09.2005 (18:35) Ulrich
Das Gedicht handelt von einer Seefahrt mit Sturm, in der Kajüte kotz jemand, "ich stehe am Baum/Mast und wünschte ich wäre zu Haus".

Wer kennt das Gedicht?
Wie heißt es?
Hallo Ulrich,
es war nicht leicht zu finden: Es handelt sich um ein Gedicht aus Heines "Nordsee"-Zyklus, das aber nur in der zweiten Auflage der "Reisebilder. Erster Teil", 2. Auflage, enthalten war. Es heißt und lautet folgendermaßen:

Seekrankheit.
    Die grauen Nachmittagswolken
    Senken sich tiefer hinab auf das Meer,
    Das ihnen dunkel entgegensteigt,
    Und zwischendurch jagt das Schiff.

5   Seekrank sitz' ich noch immer am Mastbaum,
    Und mache Betrachtungen über mich selber,
    Uralte, aschgraue Betrachtungen,
    Die schon der Vater Loth gemacht,
    Als er des Guten zu viel genossen,
10   Und sich nachher so übel befand.
    Mitunter denk' ich auch alter Geschichten:
    Wie kreuzbezeichnete Pilger der Vorzeit,
    Auf stürmischer Meerfahrt, das trostreiche Bildniß
    Der heiligen Jungfrau gläubig küßten;
15   Wie kranke Ritter, in solcher Seenoth,
    Den lieben Handschuh ihrer Dame
    An die Lippen preßten, gleich getröstet --
    Ich aber sitze und kaue verdrießlich
    Einen alten Hering, den salzigen Tröster
20   In Katzenjammer und Hundetrübsal!

    Unterdessen kämpft das Schiff
    Mit der wilden, wogenden Fluth;
    Wie'n bäumendes Schlachtroß stellt es sich jetzt
    Auf das Hintertheil, daß das Steuer kracht,
25   Jetzt stürzt es kopfüber wieder hinab
    In den heulenden Wasserschlund,
    Dann wieder, wie sorglos liebematt,
    Denkt es sich hinzulegen
    An den schwarzen Busen der Riesenwelle,
30   Die mächtig heranbraust,
Und plötzlich, ein wüster Meerwasserfall,
    In weißem Gekräusel zusammenstürzt,
    Und mich selbst mit Schaum bedeckt.

    Dieses Schwanken und Schweben und Schaukeln
35   Ist unerträglich!
    Vergebens späht mein Auge und sucht
    Die deutsche Küste. Doch ach! nur Wasser
    Und abermals Wasser, bewegtes Wasser!

    Wie der Winterwandrer des Abends sich sehnt
40   Nach einer warmen, innigen Tasse Thee,
    So sehnt sich jetzt mein Herz nach dir,
    Mein deutsches Vaterland!
    Mag immerhin dein süßer Boden bedeckt seyn
    Mit Wahnsinn, Husaren, schlechten Versen
45   Und laulig dünnen Traktätchen;
    Mögen immerhin deine Zebras
    Mit Rosen sich mästen statt mit Disteln;
    Mögen immerhin deine noblen Affen
    In müßigem Putz sich vornehm spreitzen,
50   Und sich besser dünken als all das andre
    Banausisch schwerhinwandelnde Hornvieh;
    Mag immerhin deine Schneckenversammlung
    Sich für unsterblich halten,
    Weil sie so langsam dahinkriecht,
55   Und mag sie täglich Stimmen sammeln,
    Ob den Maden des Käses der Käse gehört?
    Und noch lange Zeit in Berathung ziehn,
    Wie man die ägyptischen Schafe veredle,
    Damit ihre Wolle sich bess're
60   Und der Hirt sie scheeren könne wie Andre,
    Ohn' Unterschied --
    Immerhin, mag Thorheit und Unrecht
    Dich ganz bedecken, o Deutschland!
    Ich sehne mich dennoch nach dir:
65   Denn wenigstens bist du doch festes Land.

Zum Nachlesen: Düsseldorfer Heine-Ausgabe Bd. 1/1, S. 497 f.

Viele Grüße!
Robert

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