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 Deutschland. Ein Wintermärchen 15.04.2002 (15:02) Anna
Hallo Anna,
> Wie haben die deutschen Nationalisten auf diese Strophen
> reagiert??
ich habe leider keine zeitgenössische Rezeption von Seiten der Nationalisten gefunden. In Reclams "Erläuterungen und Dokumente" zum Wintermärchen fand ich aber einen Text, der eine Zusammenfassung bietet (Quellenangabe dort: Hermand: Heines "Wintermärchen" - Zum Topos der "deutschen Misere". In: Diskussion Deutsch 8 (1977)):

Der Literaturwissenschaftler Jost Hermand (geb. 1930) hat 1977 die Rezeptionsgeschichte von Heines »Wintermärchen« resümierend dargestellt:
»Heines "Deutschland. Ein Wintermärchen" (1844) galt in den Augen aller "wahren Teutschen" lange Zeit als sein übelstes, perfidestes Werk. Vor allem im 19. Jahrhundert sah man auf nationalistischer Seite im Autor dieser "Schandverse" lediglich einen geborenen Miesmacher, vaterlandslosen Juden oder rücksichtslosen Nestbeschmutzer, der sich vor Deutschland geradezu ekle und der statt dessen einer charakterlosen Vorliebe für alles Französische, das heißt Oberflächliche, Frivole, Zynische und Libertinistische huldige. Solche Uneile wurden auf völkischer Seite von Leuten wie Adolf Bartels & Co. bis weit in das 20. Jahrhundert hinein nachgebetet, ja nach 1933 zu wahren Haßgesängen gesteigert. Erst nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches hat diese Art der Heine-Kritik merklich nachgelassen [...]
Daß ein solcher Sarkasmus vor allem die nationalistisch glühenden Kreise, die sich damals an dem eben erschienenen "Lied der Deutschen" berauschten, bis zur Weißglut reizen mußte, ist klar. Schließlich waren es gerade diese Deutschtümler, die einen fanatischen Barbarossa-Kult trieben, 1842 in Scharen zur Kölner Dombaufeier geströmt waren, unentwegt Beckers "Rheinlied" sangen, 1843 mit geschwollener Seele an der Tausendjahrfeier des Deutschen Reiches teilgenommen hatten und ihrem geliebten Hermann dem Cherusker im Teutoburger Wald ein weit ins Land hineinragendes Monumentaldenkmal setzen wollten. Die Latrinen dieser Leute sind daher jene "Gruben", aus denen die von Heine erwähnten "Miasmen" aufsteigen, die später als teutonische Reichsideologie der Bismarck-Ära und als Blut-und-Boden-Mystik der Nazis ganz Deutschland verpesteten.


Anzumerken ist, dass Heine auch für den Kölner Dom gespendet hatte - mit der Dombaufeier hatten also nicht nur die Nationalisten zu tun.

Gruß
Wolfgang

Heinrich Heine - Leben, Leiden, Werk und Hintergrund

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