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Hallo an alle,
Ich hab eine Interpretation von Heine's Gedicht "Jammerthal" geschrieben und bin mir nicht sicher ob ich sie richtig aufgefasst habe.Vielleicht könnt ihr mir helfen und sagen was ihr davon haltet:

Interpretation: „Jammerthal“ von Heinrich Heine

Das von Heinrich Heine verfasste Gedicht „Jammerthal“ handelt von zwei Personen, die ihr Ableben schon erwarten. Heine, der stets bemüht war in seine Gedichte politische Thematik einzubringen, spricht in „Jammerthal“ besonders die normale Bürgerschaft und deren Probleme des 19. Jahrhunderts an.
Das Gedicht besteht aus 7 Versen mit jeweils 4 Strophen und dem Reimschema „abcb“. Durchzogen von einer unheimlichen Atmosphäre, wirkt das Gedicht auf den Leser sehr authentisch (Vers 1 Z. 1-2;4 „Der Nachtwind durch die Luken pfeift“ „Dachstubelager“ „blass und mager“).
Die beiden Seelen sind dem Tod näher als dem Leben und haben an ihrem letzten Abend nur noch sich alleine. Sie geben sich den nötigen Halt und ihre Liebe zueinander verbleibt bis zu Letzt. In Vers 2 wird besonders deutlich wie sehr sie sich brauchen in den Stunden vor ihrem Tod. Die letzte Zärtlichkeit und der letzte Kuss an dem sie sich erwarmen wollen (Vers 2 Z. 4)  macht deutlich, wie emotional diese Situation ist. Diese Seelen sind zwar noch nicht bereit für den Tod (Vers 4 Z. 1-3), jedoch wissen sie, dass es für sie keine Rettung vor dem Hunger bzw. Erfrierungstod mehr gibt (Vers 3 Z. 3-4). In der Zeit, indem dieses Gedicht vermutlich verfasst wurde, war der Hungertod, sowie der Tod durch Erfrierung weit verbreitet. Es traf vor allem die bürgerlichen Leute, welche von den Ernten abhängig waren. Die sogenannte „kleine Eiszeit“ stürzte viele Menschen ins Unglück. Sie hatten nicht genügend Nahrung und manche verloren ihr Dach über dem Kopf- dies führte letztendlich zum Erfrierungstod wie es auch den beiden Seelen in „Jammerthal“ wiederfährt. Die einzige Hoffnung und der einzige Halt in solch einer Notsituation ist die Gewissheit nicht alleine zu sein. Zwei Menschen die ihr Leben miteinander geteilt haben und nun auch die Todesstunde teilen versuchen all das Elend des harten Lebens (Vers 3 Z. 4) zu verdrängen, indem sie sich ihre Liebe zeigen und sich in die Augen sehen um auch die positiven Seiten ihres Lebens Revue passieren zu lassen (Vers 3 Z. 2-4). Bizarr ist der Kontrast in Vers 4: Die Seelen weinen und drücken ihre Hände, sie fürchten den Tod und die Ungewissheit was passieren wird (Vers 4 Z. 1-2) doch dann lachen und singen sie wieder gemeinsam. Entweder haben sie noch Hoffnung auf ein Wunder oder sie sind froh nun von ihrem Hunger, der Kälte und dem Elend erlöst zu werden, in der Hoffnung gemeinsam in eine Welt zu kommen, die frei von dem Leiden der Menschen ist- Die Hoffnung stirbt zu letzt und so „verstummen“ sie am Ende (Vers 4 Z. 4) und das Leiden ist vorbei. Der Kommissar, welcher am nächsten morgen erscheint, scheint fast wie bestellt mit dem Chirugus  im Dachstubenlager einzutreffen. Der Chirugus stellt den Tod der beiden Seelen fest (Vers 5 Z. 3-4)  und das Wort „Kadaver“ (Vers 5 Z. 4) wertet die Situation ab, diese ist besonders von Bedeutung, denn sie weißt doppelt auf den Tod der Seelen hin- „Den Tod der beiden Kadaver“ (Vers 5 Z. 4). Kadaver ist eine abwertende Bezeichnung für Leiche, doch stellt Heine noch den Tod an ihnen fest, so waren sie schon vorher fast Totgeglaubte, niemand hat noch mit ihrer Genesung gerechnet und so tauchen sie hier als Kadaver auf. Für den Chirugus ist der Fall klar: Auch diese Seelen sind an der Kälte und dem Hunger gescheitert (Vers 6 Z. 1-2). Die Diagnose ist für ihn wahrscheinlich schon Routine geworden aufgrund der Vielzahl der armen Bürger und der schlechten Witterung. So auch sein Rat im letzten Vers, bei dem der Leser fast meinen könnte, dass er damit persönlich angesprochen wird. Wenn der Frost eintritt, sind warme Decken sinnvoll und gesunde Nahrung ist ebenfalls lebensfördernd (Vers 6 Z. 1-4). Der Experte hat gut reden, denn den Bürgern fehlt es genau an diesen Dingen: An guter Nahrung, vor allem reichlich und an warmen Decken- im letzten Vers ist schlussfolgernd eine Ironie zu erkennen, denn der Rat hilft den beiden verstorbenen Seelen nicht mehr und den noch lebenden nützt es auch nichts, wenn es an den Mitteln fehlt, die der Chirugus aufführt. Dieser gehört anscheinend der Gattung an, welche nicht so stark von der Hungersnot betroffen ist, ansonsten würde er seinen Rat nicht als selbstverständlich hinnehmen und wüsste, dass dies nicht machbar ist.
Das Gedicht verdeutlicht, dass zur damaligen Zeit die Bürger eine schwere Zeit durchmachen mussten. Doch von all dem Elend und Hunger bekamen viele Staatsoberhäupter nichts mit. Meiner Meinung nach möchte Heine mit „Jammerthal“ genau diese Oberhäupter anklagen, denn diese bekommen von dem Bürgerleben nichts mit oder wollen es vielleicht auch gar nicht und so sind die „Seelen“ auf sich alleine gestellt und bekommen keine Hilfe und kein Gehör für ihre Anliegen. Heine hat einen kurzen Ausschnitt aus dem Alttag armer Bürger des mittleren 19. Jahrhunderts auf anschauliche und emotionale Weise dargestellt, der die Menschen dazu bewegen sollte, etwas gegen diese ungerechte Situation zu unternehmen und anzuklagen.

Manchmal habe ich mich etwas verkorkst ausgedrückt, aber mir geht es hauptsächlich um den Inhalt.. ich bitte euch um stellungnahme!!!

 Ist doch o.k.! 18.11.2004 (14:39) Robert

Dies ist ein Beitrag aus dem Forum "Heinrich-Heine-Forum". Die Überschrift des Forums ist "Heine-Forum".
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