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 Heine-Forum
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 Heine über Goethe 12.09.2004 (18:39) Nadine
Hallo, ich würde gerne wissen, was heine für eine meinung über goethe hatte. Wenn jemand etwas darüber weiß, wäre es sehr nett wenn er/ sie mir das zuschicken könnte. Grüße von Nadine
 Re: Heine über Goethe 12.09.2004 (20:15) gylman
Hallo Nadine,
ich möchte Deine Frage gerne mit einem Heine- Zitat beantworten:
Goethes Abneigung, sich dem Enthusiasmus hinzugeben ist ebenso widerwärtig wie kindisch. Solche Rückhaltung ist mehr oder minder Selbstmord; sie gleicht einer Flamme, die nicht brennen will, aus Frucht sich zu konsumieren. Die großmütige Flamme, die der Seele Schillers loderte mit Aufopferung- Jede Flamme opfert sich selbst:  je schöner sie brennt, desto mehr nähert sie sich der Vernichtung, dem Erlöschen. Ich beneide nicht die stillen Nachtlichtchen, die so bescheiden ihr Dasein fristen.

Das schönste Beispiel für Schillers Enthusiasmus ist die "Ode an die Freude"

Gruß
Gylman
 Re: Heine über Goethe 13.09.2004 (07:07) Nadine
vielen vielen Dank für das Zitat hat mir sehr geholfen! mfg nadine
Hallo Nadine, hallo Gylman,
vorsicht: Mit diesem einen Heine-Zitat Schiller gegen Goethe auszuspielen, halte ich für nicht unproblematisch. Zwar wird Schiller hier über Goethe gestellt, aber interessanterweise finden sich in Heines Werk kaum Spuren einer intensiven Schiller-Lektüre, aber umsomehr Spuren der Auseinandersetzung mit Goethe.
Im Varnhagen-Kreis in Berlin hat Heine als Student die heißesten Goethe-Verehrer kennengelernt, er selbst hat ihm Widmungsexemplare seiner ersten Bücher geschickt und Goethe in Weimar besucht - allerdings war das Treffen wohl weniger erfreulich: Auf die Frage, was der junge Kollege denn gerade schreibe, antwortete Heine "einen Faust" - und Goethe war beleidigt.
Ich bin dem Thema letztes Jahr etwas intensiver nachgegangen (Nachzulesen im Jahrbuch 2003 des Forum Vormärz Forschung zum Thema "Goethe im Vormärz"), und zwar speziell für Heines späte Lyrik. Da sind auf Schritt und Tritt Anspielungen auf Goethe zu finden, wie im ganzen Werk zuvor auch.
Vereinfacht kann man, denke ich, sagen: Für Heine war Goethe der größte Dichter seiner Zeit - und damit zugleich DER Konkurrent und Maßstab: Als Lyriker so bedeutend wie Goethe zu sein, war Heines Ziel, und er war selbstbewußt genug, um sich dafür auch zu halten. Goethe ist Gott für ihn ("der großherzoglich weimarsche Jupiter"), aber: Goethe könne nicht verhindern, schreibt Heine, daß man sie beide später in einem Atemzug nennen werde. Zugleich hat Heine an Goethe kritisiert, daß er als fürstlicher Minister nicht auf Seiten der Revolution und des Fortschritts stand. Aber auch da wurde Goethe für Heine mit der Zeit immer mehr zum Vorbild, eben weil Goethe sich nicht vereinnahmen ließ und literarisch sein eigenes Ding machte. Dafür wurde Goethe von den demokratisch-revolutionären Autoren der Zeit ja auch abgelehnt. Ludwig Börne schreibt irgendwo, Goethe sei der gereimte Knecht, Hegel der ungereimte. Und als dann Börne und Co. auf den vermeintlich unzuverlässigen Heine einprügelten, bot sich Goethe ihm natürlich als Identifikationsfigur an.
Soweit in aller Kürze ein, wie immer bei Heine, differenziertes Bild.
Weitere Infos: http://www.ub.fernuni-hagen.de/documents/goethe_heine.htm
Und natürlich, wie fast immer, im Heine-Handbuch von Gerhard Höhn (Metzler Verlag).

Euch beiden schöne Grüße!
Robert

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