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 Frage zum "Atta Troll" 20.09.2005 (00:34) Eusebius7
Ich übersetze gerade "Atta Troll" ins Englische, und es gibt eine Frage, daß ich habe bisher nicht antworten können. In Caput V gibt's diese Strophe:

Schreiben Esel nicht Kritiken?
Spielen Affen nicht Komödie?
Gibt es eine größre Mimin,
Als Batavia, die Meerkatz'?

Wer ist Batavia? Ich danke ihnen im Voraus für ihre Hilfe.
 Re: Frage zum "Atta Troll" 21.09.2005 (11:17) Robert Steegers
Hallo Eusebius!
Helfen da die Kommentare in der Heine-Säkularausgabe und in der Düsseldorfer Heine-Ausgabe nicht weiter? Ich habe sie im Moment nicht zur Hand, schaue aber gerne mal nach.

Meiner Einschätzung nach gibt es aber keine konkrete Referenz auf eine Schauspielerin oder einen dressierten Affen, der oder die gemeint sein könnten. Ich tippe eher, dass Heine hier einfach einen hübschen sprechenden Namen für das exotische Tier gesucht hat - und Batavia war der holländische Name für ihre Kolonialstadt Jakarta.

Solltest Du einen konkreten Bezug finden, freue ich mich, wenn Du die Information einstellst!

Gruß
Robert

PS: Ein sehr guter Kenner des Atta Troll ist Prof. Winfried Woesler aus Münster. Such doch mal seine Homepage auf und schicke ihm eine Mail - vielleicht hat er eine Idee...
 Nachtrag zum Affen 21.09.2005 (11:24) Robert
Hallo Eusebius, noch etwas zum Affen, ein Text aus Affen-Forschers Michael Schwibbe (http://www.dpz.gwdg.de/hominiden/paper/Sicherungskopie%20von%20baum-des-lebens.wbk. Interessant daran ist, dass Heine die Geschichte von den Affen, die nicht arbeiten wollen, irgendwo zitiert (ich weiß nur im Moment nicht, wo). Er kannte also de Bondt - und so hat man in einer Quelle Affe und Batavia zusammen:

"Die Zuordnung "Tier oder Mensch" war jedoch für den sogenannten "Orang Utan" und den Schimpansen noch lange nicht klar. Neue Kunde kam 1658 von dieser Gestalt diesmal aus Batavia, der Hauptstadt Javas. Dort lebte der holländische Arzte Jakob de Bondt (1592 - 1631) und wollte dort direkt mit einem Orang Utan in Kontakt gekommen sein. Er berichtete, dass derartige Wesen aufrecht gehen und sich wie Menschen zusammen bereden:
"Ich habe von beyden Geschlechtern einige sehen aufrecht gehen, be-sonders ein Weib das sich so schamhaft vor den ihr unbekannten Men-schen versteckte; die Hände für das Gesicht hielt; heftig weinte, seufzte; und so viele andere menschliche Handlungen vornahm: dass man ihr nichts menschliches, als die Sprache, absprechen konnte. Doch sagen die Javaner, sie könnten wohl sprechen, sie thäten es nur deswegen nicht, damit man sie nicht zwänge zu arbeiten."
Entstanden sei der Orang nach der Vorstellung der dortigen Eingeborenen durch die Paarung von Affen mit indischen Frauen. Bontius kommentiert diese Vorstellung recht lapidar: Das sollten nur Jungen glauben, die sich noch nicht rasieren brauchen. Er publizierte einen Holzschnitt seines ver-meintlichen Orangs, der eine etwas behaarte nackte Frau zeigt. Nach diesen Ausführungen und seiner Darstellung ist es kaum zu glauben, dass Bontius einen wirklichen Orang Utan je lebend gesehen hat. Besonders unglaubwür-dig ist aber der Bericht auf Grund der Tatsache, dass auf Java seit Menschengedenken keine Orang Utans gelebt haben."
 Re: Nachtrag zum Affen 21.09.2005 (16:34) Eusebius7
> Hallo Eusebius, noch etwas zum Affen, ein Text aus
> Affen-Forschers Michael Schwibbe
> (http://www.dpz.gwdg.de/hominiden/paper/Sicherungskopie%2
> 0von%20baum-des-lebens.wbk. Interessant daran ist, dass
> Heine die Geschichte von den Affen, die nicht arbeiten
> wollen, irgendwo zitiert (ich weiß nur im Moment nicht,
> wo). Er kannte also de Bondt - und so hat man in einer
> Quelle Affe und Batavia zusammen:
>
> "Die Zuordnung "Tier oder Mensch" war jedoch für den
> sogenannten "Orang Utan" und den Schimpansen noch lange
> nicht klar. ...

Das is ja interessant, aber die Meerkatze ist doch keine Affe, sondern ein Mungo. Ich vermute,daß Heine den Unterschied kannte. Es mag trotzdem sein, daß jenes Zitat ein wichtiger Anhaltspunkt ist.
 Affen und Meerkatzen 22.09.2005 (11:19) Robert
Hallo Eusebius,
bei Heine findet sich die Stelle von den arbeitsscheuen Affen übrigens in den "Memoiren":
Dieses erinnert mich an die Behauptung eines kosmopolitischen Zoologen, welcher den Affen für den Ahnherrn des Menschengeschlechts erklärt; die Menschen sind nach seiner Meinung nur ausgebildete, ja überbildete Affen. Wenn die Affen sprechen könnten, sie würden wahrscheinlich behaupten, daß die Menschen nur ausgeartete Affen seyen, daß die Menschheit ein verdorbenes Affenthum, wie nach der Meinung der Holländer die deutsche Sprache ein verdorbenes Holländisch ist -
Ich sage wenn die Affen sprechen könnten, obgleich ich von solchem Unvermögen des Sprechens nicht überzeugt bin. Die Neger am Senegal versichern steif und fest, die Affen seyen Menschen ganz wie wir, jedoch klüger, indem sie sich des Sprechens enthalten um nicht als Menschen anerkannt und zum Arbeiten gezwungen zu werden; ihre scurrile Affenspäße seyen lauter Pfiffigkeit wodurch sie bey den Machthabern der Erde für untauglich erscheinen möchten wie wir andre ausgebeutet zu werden. Solche Entäußerung aller Eitelkeit würde mir von diesen Menschen, die ein stummes Incognito beybehalten und sich vielleicht über unsre Einfalt lustig machen, eine sehr hohe Idee einflößen. Sie bleiben frey in ihren Wäldern, dem Naturzustand nie entsagend. Sie können wahrlich mit Recht behaupten daß der Mensch ein ausgearteter Affe sey. Vielleicht haben unsere Vorfahren im 18ten Jahrhundert dergleichen schon geahnt und indem sie instinktmäßig fühlten wie unsre glatte Ueberzivilisazion nur eine gefirnißte Fäulniß ist und wie es nöthig sey zur Natur zurückzukehren, suchten sie sich unserem Urtypus, dem natürlichen Affenthume, wieder zu nähren, sie thaten das Mögliche und als ihnen endlich um ganz Affe zu seyn nur noch der Schwanz fehlte, ersetzten sie diesen Mangel durch den Zopf. So ist die Zopfmode ein bedeutsames Symptom eines ernsten Bedürfnisses und nicht ein Spiel der Frivolität [...]. (DHA XV, 81 f.)
Und die Unterscheidung zwischen Affen und Meerkatzen war Heine mit Sicherheit egal - das geht bei allen Autoren der Zeit, sofern sie keine Zoologen sind, wild durcheinander, vgl. z.B. Goethes Faust: Affen oder Meerkatzen - sie sind jedenfalls immer entweder Spiegelbilder des Menschen oder teuflische Wesen. Es gibt zu Affen (und Hunden) in der Literatur einen schönen Aufsatz von Gerhard Neumann:

GERHARD NEUMANN, Der Blick des Anderen. Zum Motiv des Hundes und des Affen in der Literatur. In: Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft 40 (1996), S. 87-122.

Die Kommentare in DHA und HSA stellen übrigens auch den Bezug von Batavia zu Jakarta her. Dort kann man auch entdecken, dass in Heines Manuskript erst von einer Meerkatze "Bettine" (wohl Bettine von Arnim) die Rede ist. Den konkreten Namen hat Heine dann verworfen - was dafür spricht, dass Batavia ein Kunstname ist, der weiter nichts bedeutet.

Gruß und viel Erfolg beim Übersetzen!
Robert
 Re: Affen und Meerkatzen 23.09.2005 (01:34) Eusebius7
> Hallo Eusebius,
...
> GERHARD NEUMANN, Der Blick des Anderen. Zum Motiv des
> Hundes und des Affen in der Literatur. In: Jahrbuch der
> Deutschen Schillergesellschaft 40 (1996), S. 87-122.
>
> Die Kommentare in DHA und HSA stellen übrigens auch den
> Bezug von Batavia zu Jakarta her. Dort kann man auch
> entdecken, dass in Heines Manuskript erst von einer
> Meerkatze "Bettine" (wohl Bettine von Arnim) die Rede
> ist. Den konkreten Namen hat Heine dann verworfen - was
> dafür spricht, dass Batavia ein Kunstname ist, der weiter
> nichts bedeutet.

Danke, das is ja überzeugend. Ich habe auch einen Bezug zu Bettine von Arnim in dem Gedicht "Verkehrte Welt" gefunden, der auch nicht sehr positiv ist; das ist mir etwas rätselhaft, weil ich irgendwie den Eindrück bekommen hatte, daß Bettine eine Freundin und Unterstützerin von Heine war.

Eusebius
 Bettina von Arnim 26.09.2005 (11:34) Robert
Hallo Eusebius,
da bin ich erst einmal überfragt. Müsste man mal in den Heine-Biographien nachschlagen. Ein erster Test könnte sein, auf den Seiten des Heine-Portals mal nachzuschauen, ob es in Heines Briefen Hinweise auf Kontakte zu Bettina gibt.
 Bettina von Arnim 26.09.2005 (11:37) Robert
Hallo Eusebius,
da bin ich erst einmal überfragt. Müsste man mal in den Heine-Biographien nachschlagen. Ein erster Test könnte sein, auf den Seiten des Heine-Portals mal nachzuschauen, ob es in Heines Briefen Hinweise auf Kontakte zu Bettina gibt. Zumindest wird er in seiner Berliner Zeit mit ihr bekannt geworden sein, und ihren Bruder Achim schätzte er als einen der ihm liebsten romantischen Dichter.
Viele Grüße
Robert

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