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 Heine-Forum
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 Altgermanische Küche 06.05.2004 (09:45) Robert
Hallo Marc,
auf die Schnelle eine Antwort auf Deine Frage nach Caput IX:
Ich denke nicht, dass Heine hier mit der "altgermanischen Küche" die Verschwendungssucht des Adels oder dergleichen anprangert - dafür sind die Speisen dann auch doch zu bürgerlich und zumindest für Heines Millieu durchaus normal.
Bei Heine ist es vielmehr so, dass die Liebe - und vor allem auch die Heimatliebe! - durch den Magen geht: Es gibt zahlreiche Stellen, wo die Verbundenheit mit der Heimat über das Lob ihrer Speisen ausgedrückt wird. Im Wintermärchen z.B. beim Essen mit der Mutter in Hamburg, in einem frühen Gedicht, in dem Westfalen das "Vaterland der Schinken" genannt wird, im "Vitzliputzli", wo sich die von den Azteken belagerten Spanier zurück zum Olla-Potrida-Eintopf ihrer Heimat wünschen etc. Die Verbundenheit mit der Heimat wird so ganz konkret und sinnlich - und kann dadurch unbeschadet neben politischer Kritik an Deutschland stehen. Daneben steht das Essen natürlich auch für spießbürgerliche Behaglichkeit, die politisches Engagement oder gar die Revolution verhindert: Vgl. das Gedicht "Zur Beruhigung", das zeitgleich mit dem "Wintermärchen" 1844 in den "Neuen Gedichten" gedruckt wurde. Dort heißt es von den deutschen Fürsten:

"Wir nennen sie Väter, und Vaterland
Benennen wir dasjenige Land,
das erbeigentümlich gehört den Fürsten;
Wir lieben auch Sauerkraut mit Würsten."

Dort ist die Liebe zum heimatlichen Essen so stark, dass für die Revolte kein Platz bleibt. Diese Zwiespältigkeit von Zuneigung für das Einfache, Bürgerliche, Behagliche, die sich im Lob der deutschen (Regional-)Küche ausdrückt, prägt im übrigen, um zu Deiner zweiten Frage zu kommen, auch Caput X: Natürlich wäre es dem Ich-Erzähler des "Wintermärchens" lieber, die Westfalen würden sich revolutionär erheben - was sie ihm aber liebenswert macht, ist gerade ihre spießige Trägheit.
Ich hoffe, das hilft ein bißchen weiter ...
Gruß!
Robert
 Re: Altgermanische Küche 27.01.2005 (23:14) Marc

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